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Wenn Lernen zum Erlebnis wird

Sie sitzen, sie stehen, sie lümmeln auf Sesseln, sie liegen und wandern herum. In Zeiten von Corona natürlich alles mit Masken und auf Abstand, aber eben genau so, wie es Kinder im Alter von 6 bis 10 Jahren gerne tun. Manche lernen, manche lesen, manche entspannen sich kurz und schauen einfach vor sich hin. Und das in der Schule. Genauer gesagt, im Gruppenraum der Grundschule Freiham.

In modernen Schulen ist es mittlerweile Konsens: Aktives Lernen braucht Raum. Und dieser Lernraum braucht Freiheit. Dazu gehört auch die Freiheit, neue Lernwege einzuschlagen. Eine Schule, die diese Wege geht, ist die Grundschule Freiham im Münchner Westen. Sie gehört zum Bildungscampus Freiham, einem erst 2019 gebauten Schulkomplex. 

Freiham differentiertes lernen

 

„Wir fördern individualisiertes Lernen“

Eine der Besonderheiten der fünfzügigen Grundschule: Sie hat ganz speziell eingerichtete Räume, die den Kindern neue Lernmöglichkeiten eröffnen. „Lernen braucht Freiraum“, bekräftigt die Rektorin der Grundschule, Eva Wobido, „aber auch Anreize, etwas auszuprobieren. Deshalb haben wir die Hälfte unserer Differenzierungsräume anders als üblich ausgestattet.“ Sie sagt es mit Stolz in der Stimme, aber auch mit der Klarheit, dass es so sein muss. „Wir fördern ein sehr individualisiertes und gleichzeitig mediatisiertes Lernen. Es soll Spaß machen und etwas Besonderes sein.“ Während also ein Differenzierungsraum je Lernhaus klassisch für Kleingruppenarbeiten oder für Fördergruppen genutzt wird, ist der jeweils andere Raum auf ein Thema ausgerichtet. Und so gibt es einen Bewegungsraum, ein Robotics-Labor, ein Kicker-Zimmer sowie einen Lego-Raum und ein Märchenzimmer. Hier einen Teil der Schulzeit zu verbringen, das empfinden die Kinder als Belohnung. Sie lernen dabei viel, oft ohne es wirklich zu realisieren – denn das Lernen findet in Bewegung und spielerisch statt.

Unterrichtsfach Bauen – und Toleranz

Im Lego-Zimmer hängt eine sechs Meter breite Lego-Tafel an der Wand. Auf den Oberflächen aller Tische sind Lego-Platten befestigt, der große Giebeltisch hat in der Mitte ein Fach, in dem die Lego-Steine aufbewahrt werden. Leisten an der Wand, in die ZAP-Boards eingehängt werden können, schaffen im Handumdrehen flexible Einzelarbeitsplätze. Die Schülerinnen und Schüler dürfen zur Freiarbeit hierherkommen oder für die Arbeit am Wochenplan. Denn ‚Bauen und Konstruktion‘ ist Teil des Lehrplanes, auch wenn es nach freiem Spiel aussieht. Ist die Zeit um, können die Kinder ihre Werke sogar stehen lassen – sie müssen nur akzeptieren, dass in der nächsten Gruppe daran weitergebaut wird. „Für die Kinder ist das eine super Sache um Toleranz gegenüber den Ideen anderer zu üben“, sagt Eva Wobido. Und um Austausch und Kreativität zu trainieren. „Es entstehen hier unglaublich spannende Konstruktionen dadurch, dass mehrere Kinderköpfe an einem Projekt arbeiten. Das ist pure Kreativität.“  

Freiraum mit Rahmen

Und dennoch, damit der Raum nicht im Chaos endet, gibt es Regeln. Das fängt bei der Belegung an und endet beim Aufräumen. „Für die Kinder muss Freiheit einen klaren und verständlichen Rahmen haben. Dann können sie sie richtig nutzen. Und unsere besonderen Räume sollen ja keine reinen Toberäume sein“, erläutert Eva Wobido. Das gilt auch für das Märchenzimmer im benachbarten Lernhaus. Zwei große, bunte Monsius-Teppiche hängen hier an den Wänden. Ritter und Ritterburgen, Zauberer, Wälder und Einhörner sind darauf abgebildet. In diesem Zimmer geht es um Sprache und um den Umgang mit digitalen Medien. Denn hinter der weichen Oberfläche und den bunten Bildern eines der beiden Teppiche verstecken sich Aufgaben.

Ein Teppich erzählt Geschichten

Mittels einer eigenen App können die Kinder hier E-Bücher lesen, „Vielleicht-Geschichten“ anhören und weitererzählen, sich auf Phantasiereisen begeben oder selbst Geschichten schreiben. Das ist spannend – und die Kinder wollen oft mehr. Doch der zweite Teppich im Raum bleibt stumm, wenn man das Tablet auf ihn richtet. Dafür sind Klettergriffe daran angebracht, eine große grüne Matte liegt darunter. Hier dürfen die Kinder klettern. Klettern, das ist erwiesen, fördert nicht nur die körperliche Beweglichkeit und Geschicklichkeit.

 

Das Gehirn wird ebenfalls trainiert und Gelerntes bleibt besser im Kopf. Auch in  Raum realisieren die Kinder kaum, dass es ums Lernen geht. „Sie fragen, wann sie endlich das Märchenzimmer nutzen dürfen“, erzählt Eva Wobido. Dieser Wunsch macht sich auch bei den schulischen Leistungen bemerkbar: „Die Kinder strengen sich richtig an, sie erledigen ihre Aufgaben besonders gut und bemühen sich, besonders leise zu sein, um in die „besonderen“ Räume zu dürfen.“

Flexibel für alle Fälle

Das gilt auch für den eingangs erwähnten Gruppenraum. Da hier Kinder unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Klassen lernen, heißt die wichtigste Regel: Rücksicht nehmen, achtsam sein. Als Belohnung laden Möbel wie die AmfiGo-Treppe zum Schreiben und Lesen in jeder erdenklichen Körperhaltung ein, Tische und Stühle haben unterschiedliche Höhen für kleine Bewegungsflöhe. Und wer sich doch mal zurückziehen will, findet in den Lesekojen, dem vielseitigen Ruhe- und Vertiefungsmöbel Square oder auf dem Skateboard-Sessel Raum. Gleichzeitig sind die Möbel so flexibel, dass sie immer wieder neu zusammengestellt werden können. Ein Umstand, den Rektorin Wobido sehr schätzt: „So können wir trotz Abstand und festen Vorgaben immer wieder neue, spannende Szenarien schaffen. Und auch für uns innerhalb des gesteckten Rahmens Bewegung und Freiheiten entdecken.“ Die Kinder machen das ganz intuitiv. Ihr Körper, aber auch ihre Lernfähigkeit, dankt es ihnen.
 
Links zum Weiterlesen:
https://www.muenchen.de/rathaus/Freiham/Lernen-in-Freiham.html

http://www.schulentwicklung-net.de/images/stories/Anlagen/OS_Kleines_Schulbaulexikon_171018.pdf

Fotos: Tobias Hase siehe www.hase-fotografie.de

 

 

 

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