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Vertrauen ist besser!

Oder: Was Jesper Juul mit den frühzeitigen Schulöffnungen in Dänemark zu tun hat.

Zunächst einmal: Nein, der bekannte dänische Familientherapeut und Erziehungsberater Jesper Juul war natürlich nicht persönlich daran beteiligt, dass Dänemark nach dem Corona-bedingten Lockdown bereits Mitte April die Schultore wieder geöffnet hat. Wir wissen auch nicht, was Juul dazu gesagt hätte. Denn er ist vor knapp einem Jahr gestorben. Am 25. Juli 2020 jährt sich sein Todestag zum ersten Mal. Doch in der Art, wie die Öffnung umgesetzt wurde, lässt sich einiges vom Juul’schen Gedankengut wiederfinden.

Ziel der frühen Öffnung war es, Familien zu entlasten. Und das, obwohl oder gerade weil Dänemark sehr strikt und konsequent alle Maßnahmen zur Eindämmung des Virus ergriffen hat. Flexibilität in der Raumgestaltung und ein hoher Digitalisierungsgrad spielten bei der Umsetzung natürlich eine große Rolle – aber auch das Vertrauen in die (Hygiene-)Kompetenz und das Verantwortungsbewusstsein der Kinder. Beispiel: Regelmäßiges, gründliches Händewaschen ohne ständiges Danebenstehen: „Das haben die Kinder toll geschafft. … Ich glaube, das Hygienebewusstsein wird bleiben“, zitiert Spiegel online eine Lehrerin in dem Bericht Was Deutschland von Dänemark lernen kann.

Im dänischen Bildungs- und Erziehungswesen steht dieses Vertrauen in die Kinder und in ihre soziale Kompetenz im Mittelpunkt.

Und damit sind wir bei Juul. Vertrauen in die soziale Kompetenz der Kinder war sein Credo, sein zentraler Ansatz. Ebenso wie Authentizität. Denn nur, wenn Kinder merken, dass die Eltern oder Lehrer wirklich meinen was sie sagen, nehmen sie es auch ernst. Und sie möchten, dass man ihnen etwas zutraut. Das gilt fürs Abstand halten ebenso wie fürs richtige Händewaschen. Nach klaren Regeln, aber ohne ständiges Nachfragen. Das funktioniert nur mit Vertrauen – in beide Richtungen. Denn auch die dänischen Familien mussten darauf vertrauen, dass die Schulen die richtigen Maßnahmen getroffen hatten, dass es keine Gefahr gibt. Auch hier waren wieder klare, ehrliche Aussagen von der Schule an die Eltern und Kinder gefragt. Damit alle Beteiligten frühzeitig die Spielregeln kennen.

Klar: Gute räumliche Voraussetzungen machen es Kindern wie Lehrern leicht, sich an eben diese Regeln zu halten. Um eine sehr durchdachte Organisation von Abstandsmarken bis zu Lüftungsplänen kam und kommt bis heute keine Schule herum, weder in Dänemark noch in Deutschland. Aber wenn Räume nach Bedarf flexibel gestaltbar sind, dann lässt sich diese Organisation doch etwas leichter angehen.

Das Vertrauen in die Kompetenz der Kinder ist – frei nach Juul - eine Frage der Einstellung und erlernbar. Und zumindest aus unserer Sicht „typisch dänisch.“